Bands

Veröffentlicht am 25.11.2015 von nemesis

0

Tarantula im Portrait

Ein langer Weg

Manchmal gehen verdammt gute Bands einfach jahrelang ihren Weg und keiner merkt´s. So war es auch im Falle der Portugiesen Tarantula die mit vier Alben rausgepurzelt mussten, um endlich mehr Gehör zu finden – aber erst die vierte Veröffentlichung war auch ohne Probleme so gut wie überall erhältlich, da diese Band nun endlich auch europaweit einen Deal zu verbuchen hatte.

Zu diesen und anderen Themen Ur-Metaller Luis:

Red: Tarantula wurden 1981 gegründet. Da kann man sich denken, dass das Line-up sicher nicht immer Bestand hatte.
Luis: Die Gründungsmitglieder sind mein Bruder und ich, und wir sind die einzigen, die noch übrig sind aus der Anfangszeit.
Red: Was ist denn mit dem Rest der Mannschaft passiert?
Luis: Jorge, unser Sänger, kam vor ungefähr neun Jahren zu uns und sang auf unserer zweiten Platte. Und unser Bassist ist vor etwa vier Jahren eingestiegen.

Drei sind Vier und dann doch Drei

Red: Das ist schon eine verdammt lange Zeit – ganze 18 Jahre hat´s gedauert, bis man von euch mal was gehört hat: Ihr hattet ja bereits zwei Demos und drei Alben veröffentlicht.
Luis: Vier Alben waren es, aber da schwanken die Angaben. lach. Unser erstes Album wurde in der Info nicht berücksichtigt. Die Platenfirma hatte beschlossen, nur die letzten drei Alben und das neue herauszubringen. Das erste gibt es nach wie vor nur in Portugal.

Red: Hattet ihr vor der, offiziell, viertenScheibe keine Möglichkeit einen Deal zu bekommen?
Luis: 1990 hatten wir mal Kontakt mit einem internationalen Manager und zu dieser Zeit hatten wir einen Vertrag mit Polygram in Portugal. Ich weiß nicht warum, aber das Label wollte damals nicht, dass wir mit diesem Manager arbeiten und so kam das Album auch nur in Portugal heraus. In den nächsten Jahren kamen einfache diese ganzen Black und Death Metal-Wellen, und wir haben beschlossen, in Portugal zu bleiben und dort unsere Arbeit so gut wie möglich zu machen.

Endlich mal voran

Red: Wie kam denn seinerzeitder Kontakt mit AFM zustande?
Luis: Wir haben von AFM und ihrem Act Edguy gehört, das war zu deren Vain Glory Opera-Zeiten und wir schickten der Firma das Demo unseres damals aktuellen Albums Light Beyond The Dark. Das schienen uns sehr ehrliche und realistische Leute zu sein, – wir haben uns auch deshalb für AFM entschieden, weil wir finden, dass es ein sehr vielversprechendes Label ist – und wie man sieht, hat es sich ja hammermäßig gemacht.

Red: Steckt hinter dem Titeln eurer Scheiben eigentlich irgendein besonderer Hintergrund?
Luis: Die haben immer entweder etwas mit einem Son oder auch dem Motiv des Covers zu tun. Je nachdem was wir betonen wollen oder einen roten Faden… Die Titel sollten auch immer zum Lay-out passen. Das Album, mit dem wir schließlich den Deal ergatterten, sollte eben auch jenen Schritt und irgendwie auch Befreiungsschlag sozusagen sowie unsere Motivation signalisieren.

Es war ja das erste Mal, dass wir einen internationalen Deal haben und unsere Platte in mehreren Ländern erhältlich wurde. Es war eine Art Aussage in der Richtung „Licht am Ende des Tunnels“. Zum anderen auch etwas mit der Rückkehr zu den guten alten Metal-Days zu tun, die anscheinend damals wieder ins Rollen kam, zu tun. Der ganz normale 80er Jahre Heavy Metal war wieder im Kommen, und das ist diese Art von Musik, die durch Bands wie Edguy und Hammerfall wieder mehr ins Geschehen eingriffen.

Der Markt zuhause als Stolperstein

Red: Wenn wir schon bei dem Thema „Metal Szene“ sind: Wie kann man die sich in Portugal vorstellen?
Luis: Das ist kompliziert, weißt du. Es gibt nicht sonderlich viele Bands, die diese Art von Metal spielen, die wir machen. Die meisten stolpern so im Black und Death-Gelände herum. Portugal ist zudem ein sehr kleiner Markt und dementsprechend schwer ist es, hier Platten zu verkaufen. Hier wird versucht, eine kleine Metal-Industrie aufzubauen und ich denke, das ist eine interessante Sache, zumal wir da auch mithelfen und schon immer engagiert waren. Vielleicht könnte man über einen längeren Zeitraum eine klitzekleine Metal-Bewegung ins Rollen bringen.

Was in den Underground gehört, muss trotzdem nicht verhallen

Red: Und wie sieht es mit den Radiostationen und Magazinen aus?
Luis: Unser erstes Heavy Metal-Magazin entstand erst um 2000 rum, glaub ich und war aber sehr interessant gemacht. Es war auch sehr gut, mal ein Magazin zu haben, das auf Portugiesisch geschrieben ist – das ist wirklich extrem wichtig. Es gibt ein großes Radioprogramm in Portugal, ein nationales, das eine verdammt große Hörerschaft hat, – ca. 50.000 Leute. Dazu gibt es noch ein paar kleine Radiostationen und Fanzines. Das läuft alles sehr im Untergrund, wobei ich auch denke, Heavy Metal muss Underground sein. Es gibt auch ein paar kleinere Firmen, die Bands wie uns promoten.

Red: Wie waren denn die Reaktionen aus anderen Ländern auf eure – an sich erste Auch-außerhalb-Scheibe, wenn man es so nennen will?
Luis: In Italien zum Beispiel waren die Reaktion sehr gut. Wir hatten auch ein tolles Review im italienischen Metal Hammer und auch aus Skandinavien und Frankreich kamen auch nur positive Reaktionen. Spanien lief ebenso gut. Nach diesen ganzen Jahren war dies unser erstes Album, du weißt ja (und lacht…). Das war schon irgendwie frustrierend: Wir waren die ganze Zeit nur in Portugal und es ist das erste Mal, dass unser Material nach außen kam. Wir wussten immer, dass wir geduldig sein müssten, um im Business vorwärts zu kommen. Eine Karriere geht nur Stück für Stück voran – und dafür braucht man Geduld.

Hier haben wir noch Luis` fünf Lieblingplatten, die er zwar nicht als die besten Platten aller Zeiten sieht, aber die ihm am meisten geben und ihn beeinflusst haben:

Helloween: The Keeper Of The Seven Keys Part 1
Iron Maiden: Piece Of Mind
Queensryche: Empire
Black Sabbath: Live Evil
Fates Warning: Parallels

Discographie

Tarantula (1987)
Kingdom of Lusitania (1990)
Tarantula III (1993)
Freedom’s Call (1995)
Light Beyond The Dark (1998)
Dream Maker (2001)
Metalmorphosis (2005)
Spiral of Fear (2010)

Best-of

20 years of Tarantula – Tribute (2001)

Tags: , ,


About the Author



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back to Top ↑