Interviews

Veröffentlicht am 30.11.2015 von nemesis

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Jack Pisters – Soylent Green

Ein Portrait zu Soylent Green und über die Tiefen der Musik

Diese Band sollte leider nur ein Album auf den Markt bringen, das hatte es aber nicht nur stilistisch wahrlich in sich. Nutrient ließ die Musik-Gemeinde und Freunde der härteren Fraktion aufhorchen, war das Album doch an sich so gar nicht musikalisch in eine Schublade zu pressen. Gitarrist Jack Pisters ließ es mit dieser Zeit aber bei Weitem nicht auf sich bewenden und ist auf vielerlei Projekten vertreten. Nicht nur als Klampfer, auch als Songwriter und vie-les mehr, Zu nennen seien dabei u.a Faith Market, Keith Caputo, Ayreon, Avalon, Ho-neycomb…

Doch sei hier einmal der Ausschnitt seiner Laufbahn mit Soylent Green genauer beleuchtet:

Musik aus verschiedenen Blickwinkeln

Red: Auf Nutrient Scheibe waren eine Menge verschiedener Stilrichtung miteinander kombi-niert. War das so geplant?

Jack: Nun, wir hatten viele unterschiedliche Einflüsse und Sachen, die wir gerne mögen. Ich denke, das hatte damit zu tun. Ich mag es auch gern, wenn man diverse Sounds der Instrumente miteinander verbindet. Ich betrachte Musik auch immer wieder aus verschiedenen Blickwinkeln.

Red: Bevorzugst du für dich irgendetwas Bestimmtes?

Jack: Gute Songs mit guter Atmosphäre. Schlicht und ergreifend. Es ist nicht ein bestimmter Stil, den ich bevorzuge, sondern die Art, wie Leute Musik umsetzen. Das Feeling in einem Song. Es gibt vieles, das ich mag.

Im Mainstream der träge Satz

Red: Zum Beispiel?

Jack: Led Zeppelin, Jimi Hendrix, auch Van Halen,… Jazz, klassische Klavierstücke. Ich spiele auch Sitar und höre demzufolge auch viel indianische Musik. Ich mag auch Dance-Sounds, wenn sie gut sind. Das Problem hier ist nur, dass man als Normalkonsument immer zumeist nur die schlechtesten Sachen aus dem Dance-Bereich zu hören bekommt. Es gibt da eine Menge guter Sachen, aber die sind nicht sonderlich bekannt.

Was man im Radio hört, ändert sich zum einem sehr schnell und ist meistens langweilig. Un-derground-Songs aus dieser Musikrichtung hört man nun mal nicht im Radio, aber die sind um einiges besser. Es gibt ein paar brillante Jungs in diesem Genre, aber es kommt kaum an die breite Masse. Man muss sich mit diesem Sound intensiver beschäftigen, um die guten Sachen zu entdecken.

Man kann etwas Gutes nicht ewig verstecken

Red: Diese Situation kann man aber mit dem Rockbereich auch gut vergleichen, hier werden per Radio auch nur die kommerziellen Sachen auf die Hörerschaft losgelassen.

Jack: Es geht sehr in diese Richtung. Je größer eine Radiostation oder ein Musikclub wird, umso kommerzieller wird verfahren. Das ist wohl die Entwicklung. Es gibt zum Beispiel hier in Holland auch nicht viele Clubs, die überhaupt noch Rock-Konzerte veranstalten. Man muss wirklich mit der Lupe suchen, wenn man sich informieren will. Ich denke, das wird wieder besser. Im Moment ist es für Rockbands nicht einfach, aber ich bin mir sicher, dass sich das wieder ändern wird. Man kann gute Musik nicht ewig unter den Teppich kehren.

Red: Welche Rolle spielen deiner Meinung nach die Medien, wenn es darum geht, was im Musikbereich gerade in ist?

Jack: Ich würde nicht nur den Radiostationen und dergleichen die Verantwortung geben. Ra-dios versuchen, so viele Zuhörer wie möglich zu bekommen. Das ist ein wirtschaftlicher Fak-tor. Es wäre klasse, wen eine bessere Balance zwischen kommerziellen Sachen und noch unbekannten Songs vorhanden wäre. Das Programm hängt aber auch von den verschiedenen Radiostationen ab. Zu unterschiedlichen Zeiten hört man unterschiedliche Musik. Manchmal hört man um dieselbe Uhrzeit auch immer denselben Song. Ich finde es auch nicht schlimm, wenn Songs neu gemixt werden, wenn es gut gemacht ist. Das ist eine mittlerweile natürliche Sache.

Keine bestimmte Zielgruppe

Red: Welches Publikum willst du im Hauptsächlichen ansprechen?

Jack: Es gibt Leute, die mögen unsere Rhythmen, haben aber mit Rockmusik an sich nicht viel am Hut, andere wieder mögen eben die Gitarrenarbeit, die zu einer rockbeeinflussten Band nun mal gehören. Manche mögen auch die Kombination aus modernen und rockigen Elementen. Wir machen unsere Musik so, wie es uns gefällt. Wir wollen kein bestimmtes Kli-entel ansprechen. Wir haben 16-jährige im Publikum, aber genauso Leute, die in den 60ern hängengeblieben sind. Unsere Zuhörerschaft ist total unterschiedlich.

Red: Du hast vorhin die Atmosphäre in Songs angesprochen. Die Stimmung auf Nutrient konnte man meines Erachtens ein wenig mit manchen Kyuss-Sachen vergleichen…

Jack: Ich kenne die Band nicht sonderlich gut, nur ein paar Songs. Die Atmosphäre ist sehr düster und `moody´– und das ist bei uns auch der Fall. Warum das bei uns so ist, weiß ich nicht. Das ist einfach so passiert. Uns macht es viel Spaß, lange Songs zu machen.

Diese Drei-Minuten-Dinger sind nicht so unser Fall. Bei manchen Songs waren wir überrascht, dass sie derart lang geworden sind! Aber wir haben es so gelassen. Ich denke, das ist etwas, dass wir aus dem Trance-Bereich haben. Wir wollten dem Material einen Fluß geben, und nicht hunderttausend verschiedene Parts miteinander verbinden.

SciFi lässt grüßen

Red: Science-Fiction scheint ja auch so dein Ding zu sein.

Jack: Oh ja. Der Name Soylent Green stammte auch von einem SF-Film, der von so einer Art Endzeit handelt. Der Film ist von 1973 und wir dachten uns, es wäre ein guter Name. Ansons-ten hat unsere Musik mit dem Film nicht viel zu tun. Man sollte diesen Movie allerdings mal gesehen haben – so als kleiner Tip am Rande. Wir haben auf dem Cover auch eine Lebensmit-teldose abgedruckt, um zu vermitteln, dass Musik auch eine Art Nahrung ist.

Red: Auf der Platte waren auch zwei Coversongs zu finden…

Jack: „Fly Like An Eagle“ ist aus einer Livesituation entstanden, und wir haben außer der Ori-ginalmelodie alles total verändert. Dieser Song ist ein elementares Stück unseres Live-Sets, und wir sahen keinen Grund, ihn nicht mit auf die Platte zu nehmen. Das andere Stück hatten wir immer als Jam gespielt, als wir noch keinen Sänger hatten. Das hatten wir auch live sehr oft gespielt. Es ist interessant, was man aus großartigen Songs alles machen kann.

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