Interviews

Veröffentlicht am 22.11.2015 von nemesis

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Interview Spock´s Beard

Zwischen musizierenden Kiddies und versauten Konzerten

Mit V hatten Spock´s Beard ihren Ruf als eine der besten Prog Rock-Indie-Bands noch weiter ausgebaut. In bester Genesis- und Co. –Tradition bietet das fünfte, Scheibchen der Amerikaner ein wahres Feuerwerk an genialen Ideen, technischer Brillanz und einer Umsetzung, die wohl gerade wegen dem nicht verwendeten Bombast strahlt. Sänger, Gitarrist, Keyboarder und Kopf der Band, Neil Morse erzählte uns zwischen Tür und Angel ein bisschen was. Also, eigentlich wohl eher zwischen Freizeit und direkt nach dem Musikunterricht für die Zwerge der Nation.

Musik weitergeben

„Der Musikunterricht ist eine Art Ferienschule im Rahmen der Kirche für die Kleinen zwischen drei und sechs Jahren. Ich versuche, Ihnen beizubringen, was Melodien, Harmonien und Rhythmus sind.
Natürlich auf eine sehr spielerische und für Kinder verständliche Art. Ich erachte es für wichtig, Musik und auch eine gewisse Portion Wissen, die damit verbunden ist, an unsere Kleinen weiterzugeben, denn es sind die Kinder, die die Musik weiterleben lassen.

Die heutige Jugend ist schon ein trauriges Bild. Nicht alle, versteht sich, aber ein Großteil.

Rap ist die Musik, von der sie sich leiten und bewegen lassen. Und das zu einem hohen Prozentsatz nur, weil sie andere Musik kaum mehr kennen. Jeder vermisst irgendwie die ‚richtige‘ Musik: Mit Gefühl und Ausdruck.“ Nun ja, über den sackklamotten-tragenden Nachwuchs wird schon an mehreren Stellen der Kopf geschüttelt. Nicht weil, man den Teens irgendetwas absprechen möchte, weil sie diese oder jene Musik hören. Vielmehr ist es schade, dass ihnen eine Menge entgeht und einige dennoch meinen, die ganze Welt zu kennen. „Seien wir mal ehrlich: Jeder Generation motzt über die vorhergegangene, das ist wohl der Laufe der Dinge.

Ich bin der König der Welt…

In jeder davon gibt es gute und schlechte Beispiele, ebenso wie es in unterschiedlichen Bereichen Entwicklungen gibt, die man gerne in dieser Art verfolgt und andere, die man am liebsten von der Karte streichen würde. Gerade im Teenager-Alter meinen doch die meisten, die Kings of the World zu sein. Man muss ihnen nur die Chance geben, etwas Neues kennenzulernen.

Wenn das Gefühlschaos sich dann mal wieder legt, sind die Chancen auf einen unbeeinflussten Geschmack und vielleicht auch eine selbständige Persönlichkeit auch wieder größer.“

Papa Neil scheint zu wissen, wovon er spricht, auch wenn seine Zöglinge noch lange nicht im pubertierenden Alter sind. Eine nette Einstellung der Gute ja zu Britney Spears: „Die Kleine singt wenigstens einigermaßen und der Sound verfügt auch über Melodien. Das ist für mich das Wichtigste an der Musik. Die Stilrichtung ist nicht so entscheidend. Von `70er Prog-Rock über die Beatles bis Green Day… mein eigener Geschmack ist sehr weit gestreut.

Einmal Hölle und gleich nochmal

Gerade im Bereich von christlicher Musik, damit ist jetzt nicht Kirchenmusik gemeint, tut sich hier in den Staaten einiges und es kommen sehr gute Sachen zum Vorschein.“ Ein paar Schweißperlen machen sich auf Neal´s Stirn bemerkbar, wenn er an den abschließenden Prozess des Abmischens der Platte denkt: „Wir haben eh wesentlich mehr Energie als sonst in diese Platte gesteckt. Was das Abmischen betrifft: Einmal ist schon Hölle genug für mich. Aber diesmal haben wir diese Prozedur zweimal über und ergehen lassen.

Da brauchst du für die Bearbeitung von zehn Sekunden hundert Jahre. Aber das Resultat liebe ich total“, schwärmt der Musikus. „Ganz unter uns, haha: Ich bin der größte Fan von Spock´s Beard. Ich wünsche mir generell Alben, die ich auch nach Jahren noch gerne höre und dieses Ziel ist auch bei unserer Band gesteckt. Die Musik muss so kommen, wie man sich zu diesem Zeitpunkt fühlt. Nur dann ist sie ehrlich und auch in der Lage Gefühle auf den Hörer zu übertragen.

Stimmt der ganze Quatsch auch?

Um Stilkategorien kümmere ich mich dabei einen Dreck. Musik ist für mich wie Essen: Ich brauch´s einfach. Wenn ich selbst an einem Song schreibe, vergesse ich alles andere um mich herum.“ Und, mögen wir die Arbeit nach getaner Arbeit, sprich die Laberei mit Schreiberlingen und den ganzen Kram auch? „Die ersten Tage der Promo sind immer toll. Etwas schwierig wird es nur, wenn sich das Ganze länger hinzieht und sich immer wieder die gleichen Fragen herauskristallisieren. Aber da muss man sich als Künstler einfach am Riemen reißen.

Ich denke, es ist nicht so einfach, sich bei jeder Band, mit der man ein Interview führt, Fragen und Gesprächsthematiken einfallen zu lassen, die stets aus dem Rahmen fallen. Außerdem müssen bestimmte Dinge einfach angesprochen werden, da nicht jeder Fan alle Magazine liest. Wenn ein Musiker diesen Teil der Arbeit nicht mag, soll er auf eine einsame Insel auswandern. Es gehört dazu. Manche labern bei Interviews permanent Scheiß, weil stets dieselben Fragen kommen. Eric Burdon ist so ein Fall. Ich habe ihn nach einem Interview mal gefragt, ob der ganze Mist, den er erzählt, auch stimmt. Er grinste und meinte nur: ‚Natürlich nicht!‘, hihi.“

Mit einem Augenzwinkern geht es weiter: „Wir waren mit Dream Theater auf Tour gehen, deshalb darf ich über die Jungs nichts schlechtes sagen. Nein, das stimmt so natürlich nicht. Die Band ist klasse.“ Was den eigenen Besuch von Konzerten betrifft, ist Neal ein wenig angefressen. „Ich wollte unbedingt zu einem Genesis-Konzert, bei dem Peter Gabriel mit dabei war. Es war wohl die letzte Chance, die Band in dieser Formation zu sehen. Aber meine Frau hat mich mit zu einer Geburtstagparty geschleift. Grumml.“ Tja, das Leben ist hart aber ungerecht.

photocredit: By Michael Hanselmann (Own work) [GFDL, CC-BY-SA-3.0 or CC BY-SA 2.5], via Wikimedia Commons

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